Die Zielsetzung der Edition

Band I FrontispizIn meinem vorgerückten Alter erscheint der Wunsch wohl erklärlich, noch bei meinen Lebzeiten eine Volksausgabe meiner Werke durch ein ehrenwerthes Haus veröffentlicht zu sehen (...)
Strubberg an Cotta (16. August 1884)

Dieser Wunsch des Dichters ging nicht in Erfüllung, denn anders als Zeitgenossen wie Möllhausen oder Gerstäcker gelang es Strubberg nicht, seine Romane und Erzählungen noch zu Lebzeiten in einer großen, repräsentativen und in hoher Auflagenzahl gedruckten Gesamtausgabe zu publizieren und sein Werk, welches hinter dem der Vorgenannten nicht zurücksteht, auf diese Weise der Nachwelt zu überliefern.

»Strubberg war älter als fünfzig Jahre, als er seine Schriftstellerkarriere begann (...) Rechnet man die unbedeutenden dramatischen Versuche nicht mit, so hinterließ der schreibfreudige Schriftsteller in seiner kurzen Schaffenszeit seiner Leserschaft ein Werk von fast fünfzig Romanbänden. Carl Scharnhorst blieb bekannt, das übrige Werk wartet auf die Wiederentdeckung.«
Bernd Steinbrink: Abenteuerliteratur des 19. Jahrhunderts. Studien zu einer vernachlässigten Gattung. Tübingen 1983, S. 153.

Die Möglichkeit zu dieser Wiederentdeckung wird nunmehr durch die Marburger Ausgabe geschafZwei Lebenswege Tafel 3fen, die über 120 Jahre nach Armands Tod erstmals alle seine Werke in einer großen, wissenschaftlich fundierten und bibliophil gestalteten Gesamtedition vorlegt. Sie richtet sich somit gleichermaßen an Wissenschaftler wie an Freunde und Sammler klassischer deutscher Abenteuerliteratur.

In ihrer Zielsetzung als kritische Studienausgabe strebt die Edition Vollständigkeit an und wird zusätzlich zu den Romanen, Erzählungen und Reiseberichten auch die Dramen und den gesamten erhaltenen Briefwechsel sowie unterschiedlichste verstreute Schriften zum Druck bringen. Zu letzteren zählen unter anderem die anonymen Zeitungsartikel und Flugblätter, die Strubberg — ganz im Stile eines modernen »PR-Managers« und »Spin Doctors« — in der juristischen Auseinandersetzung zwischen Wilhelm von Hessen-Philippsthal-Barchfeld  und dem Staat Preußen für den hessischen Prinzen verfasste und die ihm eine Anklage wegen »Verächtlichmachung der Obrigkeit« einbrachten. Der Forschung werden damit zuverlässige, nach den Erstdrucken sorgfältig edierte Texte zur Verfügung gestellt. Ein Apparat, der die Varianten sämtlicher autorisierter Fassungen enthält, ein kurzer Abriss zur Entstehungs- und Editionsgeschichte sowie die Beigabe aller Bildtafeln aus den zu Armands Lebzeiten erschienenen Buchausgaben runden jeden der bibliophil ausgestatteten Bände ab.